Die Angst der Europäer vor dem zweiten Lockdown

Europa. In fast allen europäischen Ländern steigen die täglich registrierten Infektionen mit dem Coronavirus. Klar sind die Fallzahlen, mit denen aus dem Frühjahr nur teilweise vergleichbar, da in allen europäischen Staaten die Testkapazitäten erheblich erhöht wurden. Auf der anderen Seite steht uns die kalte Jahreszeit in Europa erst bevor. Kann man sich bei den aktuellen spätsommerlichen Temperaturen noch zum gemeinsamen Grillen im Garten treffen, werden sich Aktivitäten der Menschen bei sinkenden Temperaturen zunehmend nach drinnen verlagern. Dazukommt, dass die dann höherfrequentierten Räume auch noch seltener gelüftet werden. Die Gefahr neuer Infektionen durch Aerosole dürfte erheblich steigen.

Trotz dieses Risikos sind nahezu alle Länder in Europa bestrebt größere Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu vermeiden. Die Nachverfolgung von Infektionsketten soll das Gebot der Stunde bleiben.

Allerdings stoßen bereits jetzt die Gesundheitsämter in einzelnen Regionen an ihre Grenzen. In der spanischen Hauptstadt Madrid beispielsweise fehlen den Gesundheitsämtern über 400 Mitarbeiter um die Nachverfolgung der Infektionsketten noch adäquat bewerkstelligen zu können. Generell hat sich Spanien in den letzten 14 Tagen auf Platz 5 der Länder mit den meisten Neuinfektionen geschoben.

Auch in Frankreich steigen die Zahlen rasant an. So wurden am heutigen Freitag fast 10.000 Neuinfektionen registriert. Nichtsdestotrotz sollen neuerliche Einschränkungen weitgehend vermieden werden. Die angeknackste Restaurantbranche soll nicht weiter destabilisiert werden. Auch die Tour de France, deren Renndirektor Christian Prudhomme sich kürzlich mit dem Coronavirus infizierte, soll regulär beendet werden.

Es bleibt abzuwarten, wie lange der derzeitige Kurs aufrechterhalten werden kann.

Veröffentlicht von jwendel

Im Jahr 2018 habe ich meinen politikwissenschaftlichen Master "Governance und Public Policy" an der TU in Darmstadt erfolgreich abgeschlossen. Aktuell studiere ich nebenberuflich an der Fernuniversität Hagen den Bachelorstudiengang "Bildungs- und Erziehungswissenschaften".

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