Berlin. Als ehemalige Weinkönigin aus dem eher ländlichen Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz gilt Julia Klöckner der Öffentlichkeit schon lange als naturverbunden. Nicht zuletzt deshalb war sie schon von 2009 bis 2011 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Seit 2018 leitet sie das Ministerium selbst.
Ihr Handeln als Bundesministerin passt allerdings so gar nicht zu ihrem Image als naturverbundenes Landmädchen. Das bekommen neben den Verbrauchern vor allem die Tiere zu spüren. So waren sich Politik, Tierschutz- und Verbraucherverbände und Schweinemäster einig die sehr schmerzhafte, betäubungslose Kastration bei männlichen Ferkeln zum 1. Januar 2019 zu beenden, ehe Julia Klöckner die Frist, kurz vor Ablauf, um zwei Jahre verlängerte.
Auch dem Töten von jährlich 45 Millionen männlichen Küken sah Julia Klöckner lange Zeit fast tatenlos zu. Sie hoffte, dass die Industrie die Tötung der Tiere durch eine freiwillige Selbstverpflichtung beenden würde. Mitte letzter Woche musste auch sie anerkennen, dass dieser Ansatz gescheitert ist. Aus diesem Grund gibt es jetzt einen Gesetzentwurf, der das Töten von Küken ab Januar 2022 verbietet. Das Geschlecht der Küken muss dann schon im Ei bestimmt und eine weitere Bebrütung verhindert werden. Ab Januar 2024 müssen in der Landwirtschaft zudem Methoden angewandt werden, die das Geschlecht der Küken schon vor dem siebten Bruttag bestimmen. Denn ab diesem Zeitpunkt können die Embryonen bereits Schmerz empfinden.
Aber nicht nur beim Kastrieren und Töten schaut Klöckner gerne weg. Auch bei der Tierhaltung verbessert sich für die Tiere nichts. Noch 2019 wollte sie die Möglichkeit Schweine in engen Metallkäfigen halten zu können um acht Jahre verlängern. Die Tiere sind bei der Kastenhaltungsform, so wird diese Art der Haltung genannt, fast zur Bewegungslosigkeit verdammt. Dass Ökobauern häufig über mangelnde Unterstützung vonseiten der Ministerin klagen, passt da ins Bild.
Andere Tiere sollen allerdings mehr Auslauf bekommen. Für Hunde will sie eine Gassi-Pflicht einführen. Na immerhin!