Willingen. Der hessischen CDU ist heute etwas gelungen, was die Bundespartei nicht hinbekommen hat. Vieles war anders als gewohnt, aber dennoch haben die Christdemokraten ihren Parteitag abgehalten. Ein starkes Zeichen für die Demokratie. Ein Virus und eine globale Pandemie können die demokratische Grundordnung nicht aushebeln.
Normalerweise sind Parteitage wie große Familientreffen, bei denen man sich emotional und körperlich näher kommt. Beides war dieses Mal wegen des Abstandsgebots nicht erwünscht. Für die Einhaltung der Corona-Regeln waren die 331 Delegierten auf zwei Hallen verteilt. Sie mussten mit zwei Metern Abstand zueinander sitzen und durften nicht einmal zum Wählen aufstehen. Aufklappbare Pappen dienten als „Schoßwahlkabinen“. Der Kassenbericht und die Grußworte wurden per Video übertragen. Ebenso wurde wegen Corona die Redezeit auf zwei Minuten beschränkt. Trotz dieser Einschränkungen fand man die Zeit Walter Lübcke und Thomas Schäfer zu Gedenken. Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke wurde ermordet. Der ehemalige hessische Finanzminister Schäfer beging Suizid. In diesem Moment kamen dem hessischen CDU-Generalsekretär Manfred Pentz die Tränen. Mit seinen Gefühlen war er in den beiden Hallen zu diesem Zeitpunkt nicht alleine.
Aber nicht nur diese beiden menschlichen Tragödien haben die hessische Christdemokratie im letzten Jahr geprägt. Als Regierungspartei musste man Krisenmanagement nach den rassistischen Anschlägen von Hanau, dem Anschlag auf den Fastnachtsumzug von Volkmarsen und wegen den Herausforderungen der Corona-Pandemie betreiben. In diesen drei Fällen ist das der CDU bisher auch ganz gut gelungen. Anders sieht die Sache bei den NSU 2.0 Drohschreiben aus. Bei dieser Affäre steht der hessische Innenminister Peter Beuth unter Druck. Weil er entweder nicht Willens, oder nicht in der Lage ist den Sachverhalt aufzuklären. Mehrere Personen erhielten Drohbriefe, nachdem ihre Daten auf Computern der hessischen Polizei aufgerufen worden waren. Dennoch genießt die Regierung um Ministerpräsident Volker Bouffier großes Vertrauen in der Bevölkerung. Diesen Umstand hat auch seine Partei honoriert und ihn in die sechste Amtszeit als Parteivorsitzenden geschickt. Bei seiner Wiederwahl erhielt Bouffier 92,6 Prozent der Stimmen. Er scheint fester denn je im Sattel zu sitzen, aber aufgrund seines Alters sollte zeitnah ein Nachfolger aufgebaut werden.