Frankfurt. Am 29. Februar diesen Jahres war Fritz Keller, der aktuelle Präsident des Deutschen Fußball-Bunds, im „Aktuellen Sportstudio“ zu Gast. Es war der Tag, an dem der FC Bayern bei der TSG Hoffenheim mit 6:0 gewonnen hatte. Nach Schmähungen gegen Dietmar Hopp hatten die beiden Mannschaften in den letzten zehn Minuten des Spiels ein inszeniertes Ballgeschiebe veranstaltet. Fritz Keller wertete dies als wichtiges Zeichen der Solidarität. Eine Solidarität, die dem Mitbegründer des langjährigen DFB Premium-Partners SAP, exklusiv zuteil wurde. Allein das wirkt schon skurril, wenn man bedenkt welche Schmähungen Spieler, Trainer und Schiedsrichter regelmäßig erdulden müssen. Noch skurriler wirkt allerdings die damalige Überzeugung Kellers, dass man mit den Schmähungen gegen Hopp im deutschen Fußball „am Tiefpunkt angekommen“ sei.
Schon zum damaligen Zeitpunkt waren die undurchsichtigen Vorgänge, die beim DFB rund um die Vergabe der WM 2006 stattgefunden hatten, bekannt. Hierbei war zum einen 2016 herausgekommen, dass der DFB eine Betriebsausgabe in Höhe 6,7 Millionen Euro für eine Gala steuerlich geltend gemacht hatte, die nie stattgefunden hatte. Die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Dr. Theo Zwanziger mussten dafür vor Gericht. Das Verfahren wurde vor ein paar Monaten wegen Verjährung eingestellt. Zum anderen steht in diesem Zusammenhang der Vorwurf der Bestechung im Raum, weil 2006 durch den damaligen OK-Chef Franz Beckenbauer und den damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus eine Zahlung über eben jene 6,7 Millionen Euro an den früheren FIFA-Funktionär Mohamed bin Hammam geflossen waren.
Wie stark kriminelles Verhalten im größten nationalen Sport-Fachverband der Welt verhaftet ist, hat auch die Durchführung einer Razzia vor wenigen Tagen gezeigt. Die Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass die Einnahmen aus Bandenwerbung für die Heimspiele der Jahre 2014 und 2015 als Einnahmen aus Vermögensverwaltung falsch erklärt wurden. Auf diese Weise sollen die Verantwortlichen die Steuerlast des DFB um 4,7 Millionen Euro gedrückt haben. Den sechs Beschuldigten, die von der Staatsanwaltschaft bisher nicht genannt wurden, drohen Freiheitsstrafen.
Fritz Keller sicherte zu die Ermittlungen „allumfänglich unterstützen“ zu wollen. Er ging sogar noch weiter und sagte, dass er „für eine vollkommene Transparenz“ angetreten sei und er in diesem Zusammenhang „eine staatliche Unterstützung in den Untersuchungen nur begrüßen“ könne. Auch wenn man Fritz Keller zugute halten muss, dass er für mehr Offenheit eintritt, scheinen ihm Begriffe wie „Tiefpunkt“ angesichts solcher Vorwürfe nicht die richtigen zu sein. Meiner Ansicht nach sind sie in diesem Zusammenhang erheblich angebrachter als bei den Schmähungen gegenüber Dietmar Hopp.
Vielleicht sollte man, wenn man den Begriff „Tiefpunkt“ im Fußball hört, denken wie Rudi Völler. „Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören.“