Die Sportwelt als Spiegel der Gesellschaft

Europa. Als im Frühjahr diesen Jahres die erste Welle der Pandemie über Europa rollte, wurden von fast allen Menschen in Europa die Maßnahmen mitgetragen. Die meisten gingen nur für das nötigste aus dem Haus und hielten nach Möglichkeit Abstand zu ihren Mitmenschen.

Ähnlich sah es in der Sportwelt aus. Mit großer Bereitschaft wurden fast alle Großereignisse abgesagt bzw. verschoben. Ebenso wurden fast alle Profiligen unter- bzw. abgebrochen. Mit großem Argwohn wurde auf die Japaner geblickt, die erst nach leichtem internationalen Druck bereit waren die Olympischen Spiele in den nächsten Sommer zu verschieben.

Schaut man in dieser zweiten Pandemiewelle auf die Gesellschaft und die Sportwelt in Europa ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Die Skepsis gegenüber den Maßnahmen ist deutlich gewachsen. Abstände im Supermarkt werden nur noch bedingt eingehalten. Die Bars und Restaurants sind wieder gut gefüllt. Auch der Politik scheinen keine strukturierten Maßnahmenpläne mehr einzufallen. Außer halbgaren Sperrstunden und Beherbungsverboten, die in den letzten Tagen entweder wieder aufgehoben oder von den Gerichten gekippt wurden, scheint der Politik nur wenig einzufallen.

Auch in der Sportwelt reagiert man deutlich anders als in der ersten Welle der Pandemie. Trotz der steigenden Zahlen fanden in der letzten Woche Länderspiele in Risikogebieten statt. So haben sich unter anderem zwei Spieler der TSG Hoffenheim mit dem Coronavirus infiziert. Noch fahrlässiger geht man mit der Situation beim Giro d´Italia um. Acht positive Corona-Tests gab es mittlerweile bei den verschiedenen Teams. Aufgrund der steigenden Gefahr sind bereits die zwei Teams Michelton-Scott und Jumbo-Visma aus dem Giro ausgestiegen. Der Fahrer Thomas de Gendt sagt klar: „Wir fühlen uns nicht sicher.“ Ein Umdenken gibt es bei den Veranstaltern, aber wohl nicht. Es geht um viel Geld. Aus diesem Grund werden die Risiken billigend in Kauf genommen.

Diese Haltung in Gesellschaft und Sport birgt ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Veröffentlicht von jwendel

Im Jahr 2018 habe ich meinen politikwissenschaftlichen Master "Governance und Public Policy" an der TU in Darmstadt erfolgreich abgeschlossen. Aktuell studiere ich nebenberuflich an der Fernuniversität Hagen den Bachelorstudiengang "Bildungs- und Erziehungswissenschaften".

Hinterlasse einen Kommentar