Droht den USA nach der Wahl ein Bürgerkrieg?

Washington D.C.. Am morgigen Dienstag finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt. In den Umfragen liegt Joe Biden ca. zehn Prozentpunkte vor Donald Trump. Damit ist der Vorsprung Bidens am Wahlvorabend deutlicher größer als der von Hillary Clinton vor vier Jahren. Clintons Vorsprung betrug damals nur noch 3,5%. Sicher ist der Sieg Bidens aufgrund des amerikanischen Wahlsystems dennoch nicht. Denn durch das Wahlmännersystem werden kleinere Staaten stärker gewichtet als größere. Hinzukommt, dass das Rennen in den meisten Swing-States weiterhin eng ist. Aus diesem Grund könnte Trump auch diesmal, trotz der geringeren Anzahl an Wählerstimmen, erneut zum Präsidenten gewählt werden.

Ebenso offen wie der Wahlausgang selbst, ist auch wie die tiefgespaltene amerikanische Bevölkerung auf ihn reagieren wird. Laut Umfragen befürchten zumindest zwei Drittel der amerikanischen Bevölkerung, dass es nach den Wahlen zu Unruhen kommen wird. Dementsprechend befinden sich die Waffenverkäufe in den USA auf einem Höchststand.

Trump hat das Klima für massive Unruhen, die sich schon in den letzten Monaten in den USA ausgebreitet haben, mit seiner Ankündigung seine eventuelle Abwahl im Zweifelsfall nicht akzeptieren zu wollen, weiter angeheizt. In diesem Zusammenhang forderte Trump vor ein paar Wochen die rechte Bewegung „proud boys“ dazu auf sich bereitzuhalten, falls es bei der Wahl nicht mit rechten Dingen zugehen sollte. Was Trump genau damit meinte, ließ er offen.

Möglich ist, dass Trump plant noch am Wahlabend weiter Öl ins Feuer zu gießen. Dafür könnte er den Umstand nutzen, dass die Stimmen der Briefwahl erst nach den im Wahllokal abgegebenen Stimmen ausgezählt werden. Da die Wähler der Republikaner häufiger ihre Stimme im Wahllokal abgeben als die Demokraten, könnte Trump bei den ersten offiziellen Ergebnissen vorne liegen. Da die Demokraten ihre Stimme häufiger per Briefwahl abgeben, könnte sich die Wahl erst nach Auszählung der Briefwählerstimmen zu Bidens Gunsten drehen. Immerhin haben bereits 90 Millionen Amerikaner per Briefwahl abgestimmt. Es wird vermutet, dass Trump dieses Zeitfenster nutzen könnte, um sich zum Wahlsieger zu erklären. Diese Vermutung gewinnt auch deshalb an Brisanz, weil Trump die Briefwählerstimmen in den letzten Tagen unter Manipulationsverdacht stellte.

Trump hat auf diese Weise den Nährboden für Unruhen nach der US- Wahl bereitet. Unabhängig vom Wahlausgang und Trumps Brandstiftungsversuchen wird die USA nach der Wahl ein tiefgespaltenes Land, nicht zuletzt aufgrund der massiven sozialen Ungleichheiten, bleiben. Die US-amerikanische Gesellschaft bleibt ein Pulverfass, ob es schon nach der Wahl hochgeht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Veröffentlicht von jwendel

Im Jahr 2018 habe ich meinen politikwissenschaftlichen Master "Governance und Public Policy" an der TU in Darmstadt erfolgreich abgeschlossen. Aktuell studiere ich nebenberuflich an der Fernuniversität Hagen den Bachelorstudiengang "Bildungs- und Erziehungswissenschaften".

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