Ahnatal. Im nordhessischen Ahnatal wurde zum ersten Mal ein Bürgermeister per Los entschieden. Im ersten Wahlgang hatte keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit der Stimmen erhalten. Der CDU Amtsinhaber Aufenanger konnte 46,68 Prozent der Wähler überzeugen. Der SPD-Kandidat Hänes erreichte 45,1 Prozent der Stimmen.
Bei der Stichwahl erhielten beide Kandidaten exakt 2.106 Stimmen. Für den Fall eines Patts sieht die hessische Gemeindeordnung eine Losentscheidung vor. Laut dem hessischen Innenministerium gab es bis dahin nie einen vergleichbaren Fall. Der Wahlleiter in Ahnatal musste extra Loskugeln im Internet bestellen. Das Losglück war mit Herausforderer Hänes.
Was haben Lose mit Demokratie zu tun?
Manche kritisieren, dass exakt die Hälfte der Wähler nicht berücksichtigt werden. Deshalb halten diese Kritiker Losverfahren für undemokratisch. Ist es wirklich so? Bereits der griechische Philosoph Aristoteles schrieb in seinem Werk Politica: „Ich bin der Meinung, dass es als demokratisch anzusehen ist, wenn die Herrschenden durch Los bestimmt werden.“ Demarchien oder Herrschaftsbestimmung durch Lose wurden von der Antike in Griechenland bis 1797 in der Seerepublik Venedig praktiziert.