Losdemokratie im hessischen Ahnatal

Ahnatal. Im nordhessischen Ahnatal wurde zum ersten Mal ein Bürgermeister per Los entschieden. Im ersten Wahlgang hatte keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit der Stimmen erhalten. Der CDU Amtsinhaber Aufenanger konnte 46,68 Prozent der Wähler überzeugen. Der SPD-Kandidat Hänes erreichte 45,1 Prozent der Stimmen.

Bei der Stichwahl erhielten beide Kandidaten exakt 2.106 Stimmen. Für den Fall eines Patts sieht die hessische Gemeindeordnung eine Losentscheidung vor. Laut dem hessischen Innenministerium gab es bis dahin nie einen vergleichbaren Fall. Der Wahlleiter in Ahnatal musste extra Loskugeln im Internet bestellen. Das Losglück war mit Herausforderer Hänes.

Was haben Lose mit Demokratie zu tun?

Manche kritisieren, dass exakt die Hälfte der Wähler nicht berücksichtigt werden. Deshalb halten diese Kritiker Losverfahren für undemokratisch. Ist es wirklich so? Bereits der griechische Philosoph Aristoteles schrieb in seinem Werk Politica: „Ich bin der Meinung, dass es als demokratisch anzusehen ist, wenn die Herrschenden durch Los bestimmt werden.“ Demarchien oder Herrschaftsbestimmung durch Lose wurden von der Antike in Griechenland bis 1797 in der Seerepublik Venedig praktiziert.

Veröffentlicht von cdeichert1

Im Jahr 2013 habe ich an der TU Darmstadt meinen Bachelor in den Fächern Politik und Geschichte erfolgreich absolviert. Dort folgte der politikwissenschaftliche Master „Governance und Public Policy“ im Jahr 2015. Derzeit studiere ich in Teilzeit meinen zweiten Masterstudiengang an der Fernuniversität Hagen. Der Titel des Studiengangs lautet: „Europäische Moderne: Geschichte und Literatur“.

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