Schulschließungen als Mittel gegen die Corona-Pandemie?

Deutschland/Zürich. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich zeigt, dass Schulschließungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie wirken. Laut der Veröffentlichung wurde durch die Schließung der Schulen im März 2020 die Mobilität in der Schweiz um 21,6 Prozent reduziert. Daraus folgert der Studienleiter Professor Doktor Stefan Feuerriegel, „dass Schulschließungen ein Mittel sind, die Verbreitung zu verlangsamen, indem sie die Mobilität verringern“. Feuerriegel ist Professor für Wirtschaftsinformatik und in der COVID-19-Arbeitsgruppe der Weltgesundheitsorganisation. Für die Studie wurden 1,5 Milliarden Telekommunikationsdaten ausgewertet.

Über das Offenhalten der Schulen wird weltweit gestritten. Es ist nach wie vor nicht klar, welche Rolle Kinder bei der Übertragung von Coronaviren spielen. Wissenschaftlich belegt ist lediglich, dass Kinder seltener erkranken als Erwachsene. Deutsche Zahlen aus der 47. Kalenderwoche scheinen die Schweizer Studie zu bestätigen. Laut Kultusminister-Konferenz wurden insgesamt 23.354 (20.185 Schüler und 3.169 Lehrkräfte) Menschen im schulischen Umfeld positiv auf COVID-19 getestet. Laut Statischen Bundesamt gab es in dieser Woche insgesamt 127.330 positive Testergebnisse. Also war in KW 47 fast jeder fünfte positive Test an deutschen Schulen zu finden.

Auch virologisch gibt es längst Erkenntnisse zum Infektionsrisiko an Schulen. So warnte der Chefviriloge der Berliner Charité, Christian Drosten, Mitte Dezember „man sieht durchaus, dass es ein erhebliches Infektionsgeschehen in Schulen gibt.“ Schon damals verwies Drosten auf eine englische Studie, die in Jahrgängen oberhalb der Grundschule „mehr Infektionsgeschehen als in der normalen Bevölkerung“ nahelegt. Der Virologe sprach von einem „Ping-Pong-Effekt“: Ein Kind trägt das Virus in die Familie und von einem Geschwisterkind kommt das Virus in eine andere Klasse und immer so weiter.

Dennoch beharren die Kultusminister der Länder darauf, dass es kein erhöhtes Infektionsrisiko an Schulen gäbe. Im August empfahl die Gesellschaft für Virologie Schüler in Präsenz- und Digitalunterricht aufzuteilen. Die Stadt Solingen wollte diesen Vorschlag wegen hoher Inzidenzwerte umsetzen und bekam es von der Landesregierung verboten. Begründet hat es die nordrhein-westfälische Bildungsministerin, Yvonne Gebauer, mit „Bildungsgerechtigkeit“ besonders für jüngere Kinder, die zu Hause nicht so gut alleine lernen könnten.

Für die Bundesländer als Dienstherrn ist die Corona-Pandemie auch eine Herausforderung gegenüber den Lehrkräften als Arbeitnehmern. Zum Thema Gesundheitsschutz gibt es verschiedene Forderungen der Gewerkschaft Erziehung und Wirtschaft (GEW). Die GEW fordert eine Einbeziehung der Personalräte als Arbeitnehmervertretungen. Es soll zu gemeinsamen Gefährdungsbeurteilungen zwischen den Schulen und den Lehrkräften kommen. Auf Basis der Einschätzungen sollen dann verbindliche Regelungen für die gesamte Schulgemeinschaft getroffen werden.

Veröffentlicht von cdeichert1

Im Jahr 2013 habe ich an der TU Darmstadt meinen Bachelor in den Fächern Politik und Geschichte erfolgreich absolviert. Dort folgte der politikwissenschaftliche Master „Governance und Public Policy“ im Jahr 2015. Derzeit studiere ich in Teilzeit meinen zweiten Masterstudiengang an der Fernuniversität Hagen. Der Titel des Studiengangs lautet: „Europäische Moderne: Geschichte und Literatur“.

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